Gesucht und gefunden? Das Europäische Patentamt bekommt einen neuen Präsidenten

Veröffentlicht am: 31. Juli, 2017

Das Europäische Patentamt (EPA) mit Hauptsitz in München bekommt einen neuen Präsidenten. Der bisherige Amtsinhaber Benoît Battistelli wird im Sommer 2018 ausscheiden. Antonio Campinos, der Exekutivdirektor des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), gilt als möglicher Kandidat.

Das Europäische Patentamt (EPA) hat eine sehr attraktive Stelle zu vergeben: gesucht wird der neue Präsident des EPA. Der bisherige Amtsinhaber Benoît Battistelli wird im Sommer 2018 ausscheiden. Der Wunschkandidat muss vielseitige Kompetenzen mitbringen.

Sozialer Dialog ist als Kernkompetenz gesucht

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Benoît Battistelli, Präsident EPO

Tatsächlich weist Antonio Campinos eine beeindruckende berufliche Qualifikation auf, die sich nicht nicht nur durch hohe Fachexpertise sondern auch durch nachgewiesene Fähigkeiten und Durchsetzungsvermögen im modernen Management auszeichnet. Dies deckt sich mit der formellen Ausschreibung, die seit Anfang Juli öffentlich ist und auf die offiziell bis Mitte September Bewerbungen abgegeben werden können. Liest man den Ausschreibungstext, ist ohnehin bemerkenswert viel zu finden zu geforderten Kompetenzen, die eher im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich anzusiedeln sind:  „Fähigkeit zur Aufnahme und Pflege des sozialen Dialogs, Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick“. Hintergrund dazu ist, dass Präsident Battistelli als stark umstritten gilt. Öffentlich deutlich wurden die Konflikte im Europäischen Patentamt Ende 2015, als Benoît Battistelli mit dem Versuch notwendige Reformen durchzusetzen die Spitze der Internationalen Gewerkschaft der Institution (SUEPO) suspendieren ließ. Im November 2016 entließ er auch den Geschäftsführer der Gewerkschaft. Mit dem zukünftigen Präsidenten verbindet sich Hoffnung, die noch immer bestehenden Konflikte bereinigen und durch eine insgesamt andere und jüngere Führungskultur das EPA zukunftsorientiert aufzustellen.

Wie gleichen, wie unterscheiden sich die beiden internationalen Patentämter EPA und EUIPO?

Das EPA hat die Aufgabe, europäische Patente zu erteilen, sofern die entsprechenden Erfindungen neu sind und  gewerblich anwendbar sind. Das EUIPO erteilt keine Patente, sondern ist zuständig für die Eintragung der Unionsmarken (vormals Gemeinschaftsmarke) und Gemeinschaftsgeschmacksmuster. Dies umfasst die Erfindungsbereiche Marken- und Designrecht. Gleich ist beiden Ämtern, dass sie europäisch und international agieren, auch ergeben sich immer wieder Gelegenheiten der Zusammenarbeit und Absprachen zwischen beiden Ämtern. Und beide Ämter finanzieren sich selbst durch die Einnahmen aus Gebühren, sie sind keine Institutionen der EU. In diesem Sinn stehen sie auch in direktem Wettbewerb um das lohnende Patentgeschäft aus dem nordamerikanischem und dem dynamischen asiatischen Raum.

Antonio Campino beeindruckt mit Fachexpertise und modernem Management

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Antonio Campino, Executive Direktor EUIPO

Antonio Campinos (47) könnte sich schon aufgrund der sich ähnelnden und gleichzeitig ergänzenden Arbeitsprozesse und Aufgaben der beiden Patentämter EPA und EUIPO für das Spitzenamt des Präsidenten empfehlen. Er studierte Jura an den französischen Universitäten Montpellier und Nancy und wurde 2005 Präsident des portugiesischen Patentamts. (IP Commissioner and President of the Directive Council of the National Institute of Industrial Property (INPI) in Portugal). Ebenfalls seit 2005 war er bereits aktiv beim EUIPO, dessen Präsident er seit 2010 ist. Anerkennung für seinen modernen Führungsstil erlangte er dort durch strategische und strukturelle Umstellungen, die er erfolgreich einführte.

Welche Aufgaben warten auf den Präsidenten des EPA?

Das EPA ist eine zwischenstaatliche Institution, die 1977 gegründet wurde und derzeit 38 Staaten als Mitglieder führt. Mitglieder sind alle 28 europäische Länder sowie Europa regional verbundene Staaten wie Norwegen und die Schweiz, aber auch die Türkei, Albanien und San Marino. Gelenkt wird die EPA über seinen Verwaltungsrat, in dem alle Mitglieder gleichberechtigt vertreten sind. Vorsitzender des Verwaltungsrats wird im Oktober 2017 der Deutsche Christoph Ernst aus dem Bundesjustizministerium, der den Dänen Jesper Kongstad ablösen wird, der als Unterstützer des umstrittenen Effizienzkurses des EPA-Präsidenten Benoît Battistelli gilt. Der zukünftige Präsident des EPA wird viele Gespräche mit den Mitgliedern führen und eine zukunftsfähige Strategie für die insgesamt annähernd 7000 Beschäftigten und gleichzeitig mit ihnen aufstellen müssen.

 

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Quelle:

http://www.epo.org/about-us/jobs/vacancies/other/president.html

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